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Africa, Africa: Two Oceans – the world’s most beautiful marathon

3:30 Uhr : Der Wecker klingelt, obwohl wir schon lange wach liegen. Heute ist der Tag X, auf den wir seit Monaten hin trainiert haben, dem wir entgegen fiebern. Ein kurzes Frühstück. Es kann losgehen!

4:15 Uhr : Abfahrt von unserer Lodge in Stellenbosch Richtung Kapstadt. Etwa einen Kilometer vor dem Startgelände stehen wir im Stau. Obwohl wir Parkplätze vorreserviert haben, wollen uns die Ordner nicht durchlassen. Carsten bleibt hartnäckig und biegt trotzdem ab. Manuel und Nadja im zweiten Auto direkt hinter uns werden in die andere Richtung geschickt. Wir sind getrennt und werden uns erst im Ziel wieder sehen. Manuel startet zu seinem ersten Halbmarathon schon um 6:20 Uhr. Hoffentlich finden die beiden einen Parkplatz und schaffen es noch rechtzeitig zum Start.

5:50 Uhr : Wir (das sind Carsten, Michael und Stefan) gehen Richtung Startbereich. Die Straße ist voller Menschen, 14.000 Starter. Leichter Nieselregen, 15°C. Haben wir die richtigen Laufklamotten angezogen? Wir sind ziemlich aufgeregt, aber auch froh, dass es jetzt bald los geht.

6:40 Uhr : Pünktlich wird die Startkanone abgeschossen. Es dauert drei Minuten bis wir tatsächlich über die Startlinie gehen und zum Laufen kommen. Die ersten 3-4 km durch den Außenbereich von Kapstadt ist es ziemlich eng. Ich laufe daher langsamer als geplant. Wer weiß, für was es gut ist?

KM 14 : Ich habe mein Tempo gefunden, es läuft gut. Ein Viertel der Strecke ist geschafft. Ein Platzregen durchnässt uns bis auf die Haut. Sonne und Wind werden uns aber bald wieder trocknen.

KM 16 : Muizenberg. Wir erreichen die Küste und sehen die ewig langen Strände am Indischen Ozean. Barbara und Annette stehen wie geplant an der Strecke und bedenken uns mit vielen guten Wünschen und Zusatzverpflegung. Annette hat am Vortag bereits bravourös den 24km-Trail am Tafelberg gefinished. Aber wo ist Nadja ? Die beiden haben sie nicht gesehen. Sie muss noch schneller als gedacht unterwegs sein.

KM 21 : Fischhoek. Nach etwa fünf km auf der Küstenstraße geht es rechts ab und den ersten echten Hügel hinauf.

KM 25 : An der Versorgungsstelle gibt es Kartoffeln mit Salz : „you will need them“ rufen uns die Helfer zu, denn der acht Kilometer lange Aufstieg beginnt. Leider wurde die Streckenführung kurzfristig geändert. Wir laufen die Alternativ-Route über den Ou Kaapse Weg. Eine diffuse Bedrohungslage – wohl im Zusammenhang mit den anstehenden Parlamentswahlen in Südafrika – verwehrt uns das Belaufen des Filetstücks Chapman’s Peak.

KM 33 : Wir sind oben auf dem Scheitelpunkt zwischen Atlantischem und Indischen Ozean. Jetzt führt die Straße steil bergab, zu steil für meine Oberschenkel, die noch zwei Tage nach dem Lauf schmerzen werden.

KM 42,2 : Marathonmarke, es wird zäh.

KM 45 : Der schwierigste Teil der Strecke beginnt, es geht noch einmal gut bergauf. Ich streue Gehpausen an den Anstiegen ein. Es ist noch zu weit, um jetzt mit Gewalt durchlaufen zu wollen. Trinken, Essen, die Nerven behalten.

KM 50,5 : Der lange, „schleimige“ Anstieg hat ein Ende. 700 Höhenmeter stehen am Ende auf der Uhr. Jetzt geht es im Wesentlichen nur noch leicht bergab. Immer mehr Zuschauer säumen den Straßenrand : „almost there, almost there.“ Die ehrliche Begeisterung und große Freundlichkeit der Leute treibt mich an. Jetzt komme ich wieder etwas flüssiger zum Laufen. Meine Schwäche ist überwunden. Wir laufen durch baumbestandene Straßen in besseren Wohngegenden, links vor uns der mächtige Tafelberg, rechts vor uns liegt Downtown Kapstadt. Überall feiern und singen die Zuschauer am Straßenrand. Die Sonne scheint, 20°C. Dieser Lauf ist ein großes Volksfest in Südafrika.

KM 55 : Noch ein letzter kleiner Anstieg. Die Leute feuern uns an : „it’s in the bag“. Ja, bald ist es geschafft!

KM 56 : Da ist die Abbiegung zum Zielgelände. Viele Hundert Zuschauer auf den Tribünen machen einen Höllenlärm, der schönste Zieleinlauf, den ich je erleben durfte. Genuss pur!

13:30 Uhr : Wir sitzen zusammen im VIP-Zelt für die internationalen Finisher, überglücklich, dass wir es geschafft haben. Nadja trägt stolz ihre silberne Medaille. Die gibt es für alle, die unter fünf Stunden bleiben. Unglaublich, wie sie über die Strecke geflogen ist.

18:30 Uhr : Abendessen im Weingut Delaire Graaf. Champagner, Wein, gutes Essen, das haben wir uns verdient.


Ergebnisse

Nadja : 4:58:26, 1362. Platz gesamt, 42. in der TW40
Michael : 5:37:26, 3010. Platz gesamt, 296. in der TM50
Stefan : 5:52:39, 4111. Platz gesamt, 68. in der TM60
Carsten : 6:28:42, 7020. Platz gesamt, 825. In der TM50

Verfasser: Stefan Theilig